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 06.02.2012

Kinderbrillen

Betrachten wir doch die Welt einmal durch Kinderaugen. Diese blicken längst nicht so selbstverständlich durch Brillengläser wie Erwachsene. Während Erwachsene wissen, was gute Brille wert ist, nehmen viele Kinder unsere Welt mit Augen wahr, die nicht optimal leistungsfähig sind. Kinder beschweren sich nicht, denn schlecht sehen tut nicht weh.

Brillen gibt es nicht erst für Kindergarten- oder Schulkinder. Je eher eine Fehlsichtigkeit erkannt und korrigiert wird, desto besser. Auch Babys können bereits eine Brille tragen. Solange die Kinder – und damit auch ihre Augen – noch wachsen, solange können die Augen jede Unterstützung verwerten, die sie bekommen. Sehen kann man trainieren. Mit der passenden Brille lassen sich viele Sehentwicklungsstörungen vermeiden und Sehprobleme vermindern, wenn das Kind nur rechtzeitig genug seine Kinderbrille bekommt.

Es liegt an uns Erwachsenen, ein Auge auf die Sehfähigkeiten unserer Kinder zu werfen.

Die Stationen zum „Adlerauge“
Im 1. Monat sehen die Augen des Neugeborenen nicht besonders scharf. Es kann hell und dunkel und kontrastreiche Umrisse erkennen.

2. Monat: Das Baby nimmt Strukturen eines Gesichts oder grobe Muster wahr.

Im 3. und 4. Monat schaut es den Eltern lächelnd ins Gesicht.

5. Monat: Jetzt sieht es seine Eltern ganz genau. Davonschleichen aus dem Zimmer provoziert lautstarken Protest.

6. Monat: Das gezielte Greifen nach Gegenständen beginnt.

7. Monat: Jetzt gelingt es schon ganz gut, einen Gegenstand in die Hand zu nehmen, ihn zu drehen und zu wenden.

8. Monat: Das Baby kann jetzt schon Feinheiten im Gesicht (Augen, Nase Mund) unterscheiden und ist in der Lage, bekannte und fremde Gesichter zu unterscheiden.

9. Monat: Daumen und Zeigefinger werden aktiv. Sie picken kleine Gegenstände präzise auf („Pinzettengriff“).

11. Monat: Auf die Frage „Wo ist Papa?“ wendet das Kind den Kopf, um ihn zu suchen.

12. Monat: Am Ende des ersten Lebensjahres gibt das Kind den Eltern ganz gezielt Gegenstände in die Hand.

1. bis 5. Lebensjahr: Die Sehschärfe des Auges wird immer besser.

Ob schlechte Sehschärfe oder Augenkrankheiten: Alarmsignale gibt es zuhauf. Man muss sie nur kennen. Einige Warnsignale für die Eltern sind:

Babys und Kleinkinder
- Schielen
- Lidveränderungen
- trübe Hornhaut
- grau-weißliche oder gelbe Pupillen
- zitternde, entzündete, tränende oder gelbliche Augen

KIndergarten- und Schulkinder
- ständiges Reiben der Augen
- häufiges Stolpern, generelle Balancestörungen
- geringer Augenabstand zu Buch, Bildschirm oder Fernseher
- zunehmende Schwierigkeiten bei Dämmerung und Dunkelheit

Vorsicht ist besser als Nachsicht: Vorsorgeuntersuchungen
Augenärzte raten dringend, an den gesetzlich empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen für Kinder teilzunehmen. Insgesamt werden zehn Vorsorgeuntersuchungen angeboten, bei dreien dieser Untersuchungen liegt das besondere Augenmerk (unter anderem) auf dem Sehsinn. Die U5 findet zwischen dem 6. und 7. Lebensmonat statt, die U8 im Alter von 31/2 bis 4 Jahren und die U9 vor Schulbeginn mit etwa 5 Jahren. Eltern sollten aber zwischen U5 und U8 noch mindestens einmal zusätzlich die Augen ihrer Kinder untersuchen lassen. Die Vorsorgeuntersuchungen werden in der Klinik oder beim Kinderarzt durchgeführt.

Viele Sehschwächen sind erblich – aber vielen kann auch abgeholfen werden, wenn sie rechtzeitig erkannt werden. Eine Untersuchung direkt bei einem Augenarzt ist für Babys im Rahmen der normalen Vorsorgeuntersuchungen leider nicht vorgesehen. Eltern sollten daher den Kinderarzt auf eventuelle familiäre Vorbelastung aufmerksam machen und mit diesem eine Überweisung zum Augenarzt besprechen. Als Faustregel gilt: Alle frühgeborenen Babys und alle Kinder, deren Eltern oder Geschwister schielen oder stark fehlsichtig sind, sollten möglichst früh und dann regelmäßig zum Augenarzt.

Das Zeugnis voller Fünfen? Ab zum Sehtest! Hinweis: Ab zum Sehtest!
Wenn Ihr Schulkind auffällig schlechte Noten mit nach Hause bringt, obwohl Lernbereitschaft und Lernfähigkeit stimmen, liegt es vielleicht an den Augen. Denn scharfes Sehen und scharfes Denken gehen Hand in Hand. Fehlsichtige Kinder müssen sich beim Lesen wesentlich mehr anstrengen als ihre normalsichtigen Klassenkameraden und ermüden daher schneller.

Die Kinderbrille bei Sport, Spiel und Radfahren
Kinder nehmen keine Rücksicht auf filigrane Lötstellen, elegant-dekorative Nieten oder zerbrechliche Gläser. Kinder sind anspruchsvoll und fordernd. Auch gegenüber ihrer Brille.
Es ist durchaus sinnvoll, für Kinder spezielle Brillenmodelle für den Sport anzuschaffen. Schließlich ist hier das wilde Toben – und damit die Verletzungsgefahr – noch höher als ohnehin schon.
Sportbrillenmodelle für Kinder haben entweder Bügelenden, die weit ums Ohr reichen, oder sie sind gleich mit einem elastischen Band statt den Bügeln ausgerüstet. Achten Sie auch darauf, dass die Modelle schweißresistent und nickelfrei sind. Allergieempfindliche Kinder können sonst Probleme bekommen.

Tipp: Kinderbrille und Fahrradhelm
Der Fahrradhelm ist für Kinder selbstverständlich geworden. Einige Tipps für kleine
Brillenträger unter den Radhelden: Der Helm sollte nicht auf die Brille drücken, sondern bequem und nicht zu tief im Gesichtsfeld sitzen. Die Brillenbügel müssen unter dem seitlichen Helmband durchgeführt werden. Beim Sturz kann die Brille so weder davonfliegen, noch kann sie sich durch ungünstige Hebelkräfte verkanten und damit für Verletzungen sorgen.

Kaum gekauft, schon zu klein
Bei der Brille gilt dasselbe wie bei Kinderkleidung. Das Kind wächst, die Brille passt nicht mehr. Glücklicherweise ist nicht immer sofort eine neue Fassung fällig: Oft genügt schon eine Anpassung der Bügel, Bügelenden und Nasenauflage, damit die Brille wieder perfekt sitzt.

Anders sieht es mit der Sehschärfe aus – denn auch die Augen wachsen und verändern sich. Besonders rasch geschieht dies in der Pubertät. Dann sind häufiger angepasste Brillengläser nötig. Daher sollten Augen und Brillen von Kindern und Jugendlichen etwa einmal im Jahr vorsorglich untersucht werden.

Hey, bin ich cool! Kindersonnenbrillen
Tragen Sie eine Sonnenbrille? Sie sollten auch Ihrem Kind eine gönnen. Denn intensive UV-Strahlung schädigt Kinderaugen stärker als die Augen von Erwachsenen. Kinderaugen sind klarer und lichtdurchlässiger. Die UV-Absorption in der Augenlinse, die dem Auge einen natürlichen Eigenschutz verleiht, entwickelt sich erst mit den Jahren.

Beißt in den Augen: Chlor Schwimmbrillen für Kinderaugen
Nach dem Plantschen im Schwimmbad gehören rote Augen bei vielen Kindern dazu. Warum eigentlich? Schwimmbrillen für Kinder sind – bei einem Anschaffungspreis von einigen Euro – weder Luxus noch ein Spleen allzu fürsorglicher Eltern. Chlor reizt die Augen und greift das Augengewebe an. Gerade Kinderaugen aber sind verhältnismäßig weich und empfindlich und sollten daher vor zu viel Chlor im Wasser geschützt werden.

Kinderschwimmbrillen müssen optimal sitzen, sie dürfen kein Wasser hineinlassen und nicht verrutschen. Mittlerweile gibt es Optiker, die sich speziell auf Sportbrillen spezialisiert haben. Fragen Sie ihn nach seinen Tipps zu einer Kinder-Schwimmbrille. Übrigens: Preiswerte Schwimmbrillen für Kurz- und Weitsichtige in vielen verschiedenen Stärken gibt es auch für die Eltern.