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 05.09.2010

Anfertigung einer Brille

Die meisten Brillenträger wissen nicht, was alles nötig ist, um eine Brille herzustellen. Dies möchte ich einmal zeigen.

 

Zuerst sucht sich natürlich der Kunde/die Kundin eine schöne für sich passende Fassung aus. Wir beraten Sie gerne bei der Auswahl der Fassung und berücksichtigen dabei ihre Gläserstärke sowie eventuelle spezielle Anforderungen. Das könnten z.B. verschiedene Sehentfernungen, nickelfreies Material, Flexibilität, dünne Gläser und geringes Gewicht sein.

 

 



Wir messen danach in Ruhe hochgenau ihre Fehlsichtigkeit, um Ihnen wieder ermüdungsfreies und scharfes Sehen zu ermöglichen.

 

 

 

 



Ist die Sehstärke bekannt und die Fassung ausgesucht, wird noch die richtige Zentrierung ermittelt.

 

 

 

 



Bei einigen Fassungen lässt sich auch noch die Farbe aussuchen. Es stehen viele Farben zur Auswahl.

 

 

 

 

 

 

Anhand einer randlosen Brille zeigen wir die nächsten Arbeitsschritte.

sNachdem die Gläser besprochen worden sind, kann es losgehen. Die Glasrohlinge werden nun beim Glashersteller in Auftrag gegeben. Sind sie fertig hergestellt, werden sie als kreisrunde Glasrohlinge mit der gewünschten Glasstärke, dem gewünschten Material und Veredelung geliefert. Anhand der vorliegenden Daten werden die Gläser von uns noch einmal überprüft und mit dem Scheitelbrechwertmesser nachgemessen.

 

 

 

 

Danach werden der optische Mittelpunkt und die Achslage mit drei Farbpunkten markiert.

 

 

 

 

 

 

sAls nächstes wird eine so genannte „Formscheibe“ erstellt. Dazu wird die Fassung und bei randlosen Fassungen ein Glas abgescannt und mit der gespeicherten Form eine Kunststoffscheibe ausgestanzt. Als Ergebnis erhält man die Glasform der Fassung als Formscheibe. Jede Fassung hat ihre eigene Formscheiben.

 

 

 

 

 

 

 

Das schöne bei randlosen Brillen ist, dass man fast völlig frei bei der Gestaltung der Gläserform ist. Die Formscheibe lässt sich ganz individuell aus dem Formscheibenrohling heraus schneiden und passend zurecht feilen. Sind alle Materialien vorhanden und vorbereitet, werden jetzt die Gläser zum Schleifen vorbereitet.

 

 

 

 

Dazu wird der optische Mittelpunkt anhand der Fassungsmaße und der Zentrierdaten an die richtige Stelle auf die Formscheibe zentriert. Das geschieht durch Einspiegelung der Formscheibe auf das Glas. Später muss der optische Mittelpunkt (in den meisten Fällen) in Pupillenmitte liegen.

 

 

 

 

 

 

 

Ist alles richtig, wird ein Klebeblock mittig der Form auf das Glas geklebt.

Mittels des Klebeblocks kann das Glas jetzt in den Schleifautomaten gespannt werden.

 

 



Die Formscheibe kommt an das andere Ende der Glashaltewelle. Der Schleifvorgang kann beginnen. Das Glas und die Formscheibe drehen sich gleichzeitig vor der Schleifscheibe und dem Abtaster. Der Abtaster hat den gleichen Radius wie die Schleifscheiben.

 

 

 

 

 

Durch den Anpressdruck und die Drehbewegung wird das Glas auf die Form der Formscheibe geschliffen. Erst wird mit der Vorschliffscheibe geschliffen. Je nach Fassungsart wird durch verschiedene Feinschliffscheiben die Facette auf den Glasrand gebracht. Eine Flachfacette bei randlosen Brillen und eine Spitzfacette bei Fassungen mit Nute (mit Rand).

 

 

 

 

Am Schluss wird per Hand „die Kante gebrochen“. Damit werden scharfe Kanten und Ausplatzer vermieden.

 

 

 

 



Je nach Wunsch kann die Facette noch auf Hochglanz poliert werden. Das macht die Brillenglasränder noch unsichtbarer oder hebt ein getöntes Glas mehr hervor.

 

 

 

 

 

 

Jetzt muss die ausgesuchte randlose Brille noch montiert werden. Um die Gläser zum Halten zu bringen, müssen nun erst Kerben gefräst werden.

Anschließend werden Löcher an die richtige Stelle gebohrt.


 

 

 

Nun ist es fast geschafft.

Die Gläser werden jetzt mit der Garnitur mit Schrauben, Unterlegscheiben und Muttern verbunden.

 

 

 

 

 

 

Anschließend wird die Schraube passend gekürzt und gesichert. Ein Schutzlack auf den Muttern verhindert, dass man beim Säubern der Brille später nicht mit dem Tuch hängen bleibt. Daran erkennt man auch, dass die randlose Brille fachmännisch montiert wurde. Leider Gottes sehe ich immer wieder viele Fremdbrillen, an denen die Schrauben nicht ordentlich gekürzt sind und scharfe Schrauben überstehen. Das kann ins Auge gehen!

 

 

 

Jetzt endlich kann der Kunde/die Kundin die lang ersehnte Brille abholen.

Wir fertigen alle unsere Brillen in der eigenen Meisterwerkstatt. Jede Herstellung einer Brille kostet Zeit, Werkzeuge und Maschinen. Auch bei einer Neuverglasung sind all diese Schritte notwendig. Deswegen kostet der Einbau zweier neuer Gläser in die vorhandene Brille auch Geld.

Für eine normale Vollrandfassung werden mindestens 15 Minuten benötigt. Die Verglasung einer randlosen Brille dauert mindestens 1 Stunde, meistens aber länger. Denn sie soll später ja nicht wackeln.

 

 

Aus diesem Grund schrecken einige Kunden zurück, weil bei Neuverglasungen zu den (teuren) neuen Gläsern das Einschleifen extra berechnet wird. Jetzt wissen Sie warum. Ein Handwerker nach Hause bestellt oder die Reparatur des Autos kostet auch viel Arbeitslohn.

Der Augenoptiker ist eben auch ein Handwerker und muss immer noch viel Handarbeit leisten. Seien Sie vorsichtig bei Optikern, die das Verglasen kostenlos anbieten. Denn dort sitzen meist keine qualifizierten Augenoptiker und „schustern“ die Brillen im Akkord zusammen.

Was nichts kostet ist auch nichts!